Lingen. Anlässlich der derzeitigen Weichenstellungen in Berlin und Brüssel für den Strommarkt haben sich kommunale CDU-Politiker und der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann mit Vertretern der Gaskraftwerke Lingen getroffen. „Wir müssen Lingen als Garanten der sicheren Stromversorgung stärken. Leider findet das in den aktuellen Debatten noch keine hinreichende Beachtung“, so Stegemann mit Blick auf die Diskussion in Berlin.

Foto(v.l.): Jürgen Tieben, Betriebsratsvorsitzender des Gaskraftwerkes; Markus Silies, CDU Kreisvorsitzender; Nikolaus Valerius, Leiter Kohle, Gas und Biomasse der RWE in Deutschland und den Niederlanden; Dr. Hans-Peter Flicke, Leiter Gaskraftwerke Lingen; Albert Stegemann, MdB; Jörg Kerlen, Leiter Energiepolitik RWE; Werner Hartke, Ortsbürgermeister Darme
Foto(v.l.): Jürgen Tieben, Betriebsratsvorsitzender des Gaskraftwerkes; Markus Silies, CDU Kreisvorsitzender; Nikolaus Valerius, Leiter Kohle, Gas und Biomasse der RWE in Deutschland und den Niederlanden; Dr. Hans-Peter Flicke, Leiter Gaskraftwerke Lingen; Albert Stegemann, MdB; Jörg Kerlen, Leiter Energiepolitik RWE; Werner Hartke, Ortsbürgermeister Darme

Auch nach dem Kernenergieausstieg ab 2023 braucht es eine zuverlässige Stromerzeugung. „Da RWE auch die Stilllegung von weiteren Kohlekraftwerken in den Jahren 2017 bis 2019 angekündigt hat, sind wir auf die Gaskraftwerke angewiesen“, so Dr. Hans-Peter Flicke, Kraftwerksleiter in Lingen. Diese seien klimafreundlich und schnell einsatzfähig. So können die Vorschaltgasturbinen in Lingen aus dem Stand 232 Megawatt Strom innerhalb von 10 Minuten zur Verfügung stellen. Diese Leistung reicht für rund 50.000 Haushalte.

Stegemann: Gaskraftwerke in Lingen für die Zeit nach 2022 unverzichtbar

Mit einem der größten und modernsten Gaskraftwerke Deutschlands ist RWE in Lingen daher grundsätzlich zukunftsfähig aufgestellt. Ausgerechnet der deutlich stärkere Ausbau der erneuerbaren Energien gefährdet nun aber den Standort. Seit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wird Strom aus Sonne und Wind vorrangig eingespeist und verdrängt – sofern die Sonne scheint oder der Wind weht – andere Stromerzeuger. Dadurch ist der Strombörsenpreis in den letzten fünf Jahren von sechs auf fast zwei Cent je Kilowattstunde gesunken.

Thieben: Zukunftssorgen der Mitarbeiter sind da

Die geringen Einsatzzeiten und Vergütungen gingen zulasten der Mitarbeiter. „Wir könnten zwar mehr als doppelt so viel Strom erzeugen wie noch vor acht Jahren. Um zu überleben, mussten wir die Zahl der Mitarbeiter in fünf Jahren jedoch von 106 auf 58 reduzieren“, so der Betriebsratsvorsitzende Thieben. Dies sei sozialverträglich gelungen und die Mitarbeiter seien weiter hoch motiviert. „Alle machen sich aber Sorgen, wie es weitergehen kann“, so der Darmer Ortsbürgermeister Werner Hartke.

 

Daher fordern Betriebsrat und CDU seit langem, dass systemwichtige Zusatzleistungen finanziell honoriert werden. „Wir sind Systemdienstleister und stellen sicher, dass jeden Morgen beim Frühstück das Licht brennt und der Toaster läuft“, so Nikolaus Valerius, Leiter Kohle, Gas und Biomasse der RWE. Bezahlt werde jedoch nur für den tatsächlich eingespeisten Strom. Hieran will Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel jedoch nichts ändern und lies ein Strommarktgesetz erarbeiten, das vor der Sommerpause beschlossen wurde. Es sieht vor, weiterhin nur Strom und nicht die Infrastruktur zu vergüten.

 

Laut Stegemann sei für die Zeit nach 2022 das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Wir laufen Gefahr, dass Investitionen in die stabile Versorgung ausbleiben. Jeder optimiert seine EEG-Erlöse, ohne aufs Große und Ganze zu schauen“, kritisiert er. Die Feuerwehrfunktion der Lingener müsse sich daher im Geldbeutel niederschlagen. Ansonsten komme die dicke Rechnung für die Verbraucher zum Schluss.

 

Betriebsrat und Kraftwerksleitung wollen derweil die Synergien vor Ort heben. „Wir wollen unsere Wärme in anliegenden Betrieben besser nutzen“, so Flicke. Dabei seien Neuansiedlungen gern gesehen. „Bei der Ausbildung arbeiten wir gern stärker mit anderen Betrieben zusammen“, so Valerius. Der CDU-Kreisvorsitzende Markus Silies sagte Unterstützung zu. „Wir müssen näher zusammenrücken und die Chancen, auch mit dem Kompetenzzentrum Energie, nutzen“, so Silies. Ein wichtiger Schritt sei das von der CDU angestoßene Gutachten zum Energiestandort südliches Emsland.

Lingen wichtiger Baustein im Falle eines Blackouts

Lingen ist ein wichtiger Bestandteil im Netzaufbaukonzept. Sollte es tatsächlich zu einem großräumigeren Netzausfall kommen, seien die schwarzstartfähigen Kraftwerke in Lingen Ersthelfer, so Valerius. Bereits heute stabilisiere Lingen das Stromnetz durch sogenannte Redispatchmaßnahmen. Diese Maßnahmen sind notwendig, wenn es Änderungen gegenüber dem vereinbarten Fahrplan gibt, etwa durch die volatile Stromerzeugung erneuerbarer Energien. Die Zahl dieser Maßnahmen hat sich seit 2010 auf über 6.000 verzweiundzwanzigfacht. Auch am Morgen des Gesprächs mussten die Gaskraftwerke kurzfristig einspringen. Entgegen der Wettervorhersage kam der Wind erst einige Stunde später.