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Grafschafter Betriebe als Partner für den Energiestandort Lingen 2.0? - Albert Stegemann MdB

Grafschafter Betriebe als Partner für den Energiestandort Lingen 2.0?

Heimische Wirtschaft - 12. Juli 2017

Lingen. Wie können konkrete Wege in die Zukunft des Energiestandorts Lingen aussehen? Um diese Frage zu erörtern, war am Donnerstag der Vorstandssprecher des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen (EFZN) Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Beck zu Gast in Lingen. Dort sprach er auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Albert Stegemann und des Oberbürgermeisters der Stadt Lingen (Ems) Dieter Krone über konkrete Wege in der Zukunft für den Energiestandort Lingen.

„Wir wollen die Evolution zum Energiestandort Lingen 2.0. Dabei können auch Partner aus der Grafschaft Bentheim wie der Erdgasporenspeicher in Uelsen eine wichtige Rolle spielen“, betont Albert Stegemann. Am Gespräch nahmen auch Dr. Hans-Peter Flicke und Nikolaus Valerius von RWE sowie der Landtagskandidat Christian Fühner teil.

(v.l.): Zu Gast im Informationszentrum Kernkraftwerk Emsland: Christian Fühner, Vorsitzender CDU-Stadtverband und Landtagskandidat der CDU im Wahlkreis Lingen; Nikolaus Valerius, Director Hardcoal/Gas/Biomass Germany & Netherlands, RWE Generation SE; Albert Stegemann, MdB; -Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Beck, Vorstandsvorsitzender des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen; Ludger Tieke, Stadt Lingen, FB Wirtschaftsförderung sowie Kompetenzzentren IT und Energie in Lingen; Dieter Krone, Oberbürgermeister der Stadt Lingen (Ems)

Auf die Idee für das Gespräch kamen Krone und Stegemann nach dem Energieforum Anfang März in Lingen. „Professor Beck hat gute Ideen und Ansätze für Lingen aufgezeigt. Nun loten wir aus, was wir wie umsetzen können. Wir wollen ein Bündnis vor Ort schmieden“, so Krone. Die Neuausrichtig des Energiestandorts spielt seit dem Dialogprozess „Zukunftsstadt Lingen 2025“ vor vier Jahren eine zentrale Rolle für den Oberbürgermeister.

Für Stegemann spielt die Sektorenkopplung eine zentrale Rolle. „Durch Power-to-X-Lösungen können wir bisher abgeregelten Strom aus Erneuerbaren Energien nutzbar machen.“ Hier denkt der Abgeordnete an die Wärme- und Kälteversorgung aber auch an den Verkehrsbereich sowie die Chemie- und Stahlindustrie.

Lingener Partner, so Stegemann, wären etwa die Betreiber der Raffinerie und des Elektrostahlwerk. „Keine 40 Kilometer von hier haben wir in Uelsen einen der größten Poren-Erdgasspeicher Deutschlands. Der Speicher fasst ein Arbeitsgasvolumen von 840 Millionen Kubikmetern, in dem regenerativ erzeugter Wasserstoff gespeichert werden könnte. Wir müssen die Dinge ordentlich zusammenbringen.“

Prof. Beck wies auf den Wert konventioneller Kraftwerke für die Versorgungssicherheit hin. „Strom aus Erneuerbaren Energien ist zum Großteil volatil. Die Erzeugung hängt also davon ab, ob die Sonne scheint oder der Wind weht.“ Die Stromversorgung ist aber auf den ständigen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch angewiesen, um die Frequenz von 50 Hertz möglichst konstant zu halten.

Schwankt sie stärker als zwischen 49,8 und 50,2 Hertz kann es zum Stromausfall kommen. Ähnliches gilt sinngemäß für die Netzspannung, die nur um +/- 10% der Nennspannung schwanken sollte. Was passieren kann, zeigte sich Anfang Mai in Essen. Nachdem dort ein Hochspannungsseil durch ein Schiff abgerissen wurde, kam eine zu hohe Spannung in den Haushalten an. Die Folge waren defekte Elektrogeräte wie Fernseher und Waschmaschinen. „Wenn wir das Risiko hierfür niedrig halten wollen, brauchen wir sogenannte Must-Run-Kraftwerke, die Frequenz und Spannung stabilisieren können.“

Darüber hinaus wird heute das Netz durch die Trägheit der rotierenden Massen leistungsstarker Kraftwerksgeneratoren stabilisiert. Einer aktuellen Studie des EFZN zufolge sind hierfür in Deutschland mindestens 10.000 bis 15.000 Megavoltampere (MVA) an konventioneller Erzeugung nötig, um die notwendigen rotierenden Massen (derzeit kostenfrei) zur Verfügung zu stellen. Heute ist das kein Problem. „Bis 2030 wird der Ausbau der Erneuerbaren Energien diese Möglichkeiten zur Frequenzstabilisierung grundsätzlich aber absenken, weil PV- und Windenergieanlagen derzeit keinen zuverlässigen Ersatz für die fehlenden rotierenden Massen liefern können.“

Die Erdgaskraftwerke Emsland können mit ihren rund 2000 MVA das System stabilisieren und sei ein Partner der Energiewende, so der Kraftwerksleiter Flicke. Beck verweist zudem auf weitere Möglichkeiten, wie regenerative Speicherkraftwerke, die erforscht, erprobt und durch Ertüchtigung u.a. der Erdgaskraftwerke Emsland bereitgestellt werden könnten.

In Lingen wurde vor einem Jahr auf Initiative der CDU das Gutachten zur regionalökonomischen Bedeutung des Energiestandorts südliches Emsland vorgestellt. In diesem Jahr nehmen die von der Stadt Lingen (Ems) und dem Landkreis Emsland geförderten Kompetenzzentren Energie und IT ihre Arbeit auf. Für Fühner ist es nun wichtig, von theoretischen Möglichkeiten zur praktischen Umsetzung zu kommen. „Die Firmen und Forscher haben zahlreiche Projekte in der Schublade. Das sollten wir in Lingen nun nutzen.“